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Finanzen & Kennzahlen

Default Alive oder Default Dead? So rechnest du es aus

Kurz gesagt

Default alive oder default dead: So prüfst du, ob dein Startup profitabel wird, bevor das Geld ausgeht – mit Schritt-für-Schritt-Methode und Rechenbeispiel.

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Ein Startup ist default alive, wenn es mit dem aktuellen Umsatzwachstum und dem geplanten Kostenverlauf profitabel wird, bevor das Geld ausgeht, und zwar ohne neue Finanzierungsrunde. Ist das Geld vorher aufgebraucht, ist es default dead. Um herauszufinden, was auf dich zutrifft, rechnest du Umsatz und Kosten ab den heutigen Zahlen mit realistischen Wachstumsraten Monat für Monat weiter und prüfst, ob der Umsatz die Kosten überholt, bevor dein Kontostand bei null ist.

Die Frage ist kurz, aber eine ehrliche Antwort verändert, wie du Einstellungen, Ausgaben und Fundraising planst. Dieser Ratgeber zeigt, wie du sie berechnest, rechnet ein Beispiel durch und erklärt, was du mit dem Ergebnis anfängst.

Woher der Begriff kommt

Die Begriffe stammen aus dem Essay Default Alive or Default Dead? von Paul Graham, veröffentlicht im Oktober 2015. Sein Punkt: Viele Gründer können die Frage nicht beantworten, und sie ist gerade früh am wichtigsten. Wer default dead ist und das mit viel Runway erkennt, kann noch umsteuern. Wer es mit drei Monaten Restlaufzeit merkt, hat wenige und teure Optionen.

Nützlich ist das Konzept, weil es zwei Zahlen verbindet, die Gründer meist getrennt betrachten. Die Runway sagt dir, wie lange das Geld reicht. Das Wachstum sagt dir, wie schnell der Umsatz steigt. Default alive fragt, ob das Zweite rechtzeitig kommt, um das Erste zu retten.

Was du brauchst

Eingabe Woher sie kommt Tipp
Kontostand Heutige Bankguthaben Nur Geld, das da ist, keine Zusagen
Monatlicher Umsatz Zahlungseingänge von Kunden Dreimonatsdurchschnitt nehmen
Monatliche Kosten Alle Auszahlungen (Gross Burn) Unterschriebene Einstellungen und bekannte Verlängerungen einrechnen
Umsatzwachstum pro Monat Tatsächliches Wachstum der letzten Monate Erreichtes nehmen, nicht den Plan
Kostenwachstum pro Monat Dein Einstellungs- und Ausgabenplan Null nur, wenn du die Kosten wirklich einfrierst

Bist du bei der Kostenseite unsicher, zeigt dir der Ratgeber Burn Rate berechnen, wie du Gross und Net Burn aus deinen Bankdaten ermittelst.

Schritt für Schritt berechnen

  1. Starte mit dem heutigen Kontostand, Umsatz und den Kosten. Nimm Durchschnittswerte statt deines besten oder schlechtesten Monats.
  2. Wähle Wachstumsraten. Nimm das durchschnittliche monatliche Umsatzwachstum der letzten drei bis sechs Monate. Für die Kosten modellierst du die Einstellungen und Ausgaben, die du tatsächlich geplant hast.
  3. Rechne Monat für Monat. Für jeden Monat gilt: Umsatz = Vormonatsumsatz × (1 + Umsatzwachstum), Kosten = Vormonatskosten × (1 + Kostenwachstum), Kontostand = Vormonatsstand + Umsatz − Kosten.
  4. Finde zwei Monate: den Monat, in dem der Umsatz die Kosten erstmals deckt (Break-even), und den Monat, in dem der Kontostand unter null fiele.
  5. Vergleiche. Kommt der Break-even zuerst, bist du default alive. Ist das Geld zuerst weg, bist du default dead.

Das geht in einer Tabellenkalkulation, aber der Runway-Rechner macht genau diese Prognose: Er nimmt Kontostand, Umsatz, Kosten und beide Wachstumsraten, zeigt das Datum, an dem das Geld ausgeht, und den Break-even-Monat und sagt dir direkt, ob deine Eingaben default alive oder default dead ergeben.

Eine schnelle Abkürzung für den Break-even-Monat

Willst du eine grobe Antwort ohne Prognose, gilt für die Zahl der Monate, bis der Umsatz die Kosten einholt, ungefähr:

Monate bis Break-even ≈ ln(Kosten ÷ Umsatz) ÷ ln((1 + Umsatzwachstum) ÷ (1 + Kostenwachstum))

Vergleiche das mit deiner Runway beim heutigen Burn. Liegt der Break-even weit hinter der Runway, bist du fast sicher default dead. Liegen beide nah beieinander, brauchst du die vollständige Monatsprognose, denn der sinkende Burn unterwegs verlängert deine Runway.

Rechenbeispiel

Ein fiktives SaaS-Startup hat:

  • Kontostand: 480.000 €
  • Monatlicher Umsatz: 12.000 €
  • Monatliche Kosten: 44.000 €, steigend um 1 % pro Monat
  • Net Burn heute: 32.000 €, Runway beim heutigen Burn also 15 Monate

Das sind die Startwerte im Runway-Rechner, du kannst also jede Zahl unten nachvollziehen.

Szenario A: Der Umsatz wächst um 6 % pro Monat.

Monat Umsatz Kosten Net Burn Kontostand am Monatsende
1 12.000 € 44.000 € 32.000 € 448.000 €
6 16.059 € 46.244 € 30.186 € 293.015 €
12 22.780 € 49.089 € 26.310 € 124.409 €
18 32.313 € 52.109 € 19.796 € unter null

Das Geld reicht etwa 17,4 Monate, während dem Umsatz zu diesem Zeitpunkt noch fast 20.000 € pro Monat zu den Kosten fehlen. Laut Abkürzungsformel bräuchte der Break-even rund 27 Monate. Default dead.

Szenario B: Der Umsatz wächst um 8 % pro Monat.

Monat Umsatz Kosten Net Burn Kontostand am Monatsende
1 12.000 € 44.000 € 32.000 € 448.000 €
6 17.632 € 46.244 € 28.613 € 297.342 €
12 27.980 € 49.089 € 21.110 € 149.695 €
18 44.400 € 52.109 € 7.709 € 66.354 €
21 55.931 € 53.688 € −2.243 € 62.551 €

Der Umsatz überholt die Kosten in Monat 21, und der Kontostand erreicht kurz davor seinen Tiefpunkt bei rund 60.000 €. Default alive, aber knapp.

Zwei Prozentpunkte Monatswachstum machen den Unterschied zwischen „wir brauchen eine Runde“ und „wir brauchen keine“. Wer die Raten dazwischen durchprobiert, sieht: Mit diesen Eingaben liegt die Schwelle bei etwa 7,2 % pro Monat. Diese Schwelle ist die nützlichste Zahl der ganzen Übung, denn sie sagt dir, welches Wachstum du halten musst, damit der Plan aus eigener Kraft aufgeht.

Default alive heißt nicht sicher

Ein Ergebnis „default alive“ ist nur so gut wie seine Annahmen.

  • Wachstum bleibt selten konstant. Monatliche Wachstumsraten sinken oft, wenn die Umsatzbasis größer wird. Hängt dein Ergebnis an einer Rate, die du erst zwei Monate lang erreicht hast, ist es wackelig.
  • Dünnes Polster. In Szenario B liegt der niedrigste Kontostand bei etwa 60.000 €, also kaum mehr als einem Monat Kosten. Ein schwaches Quartal oder ein großer Kunde, der kündigt, kann das Ergebnis kippen.
  • Kostenpläne ändern sich. Jede neue Einstellung erhöht das Kostenwachstum. Rechne neu, bevor du dich festlegst.
  • Umsatzqualität zählt. Churn, jährliche Vorauszahlungen und Saisonalität machen den Monatsumsatz unruhig. Nimm Zahlungseingänge, gemittelt über mehrere Monate.

Eine praktische Regel: Rechne ein vorsichtiges Szenario mit deutlich weniger Wachstum als zuletzt, zum Beispiel der Hälfte. Bist du selbst dann default alive, hast du echte Widerstandskraft. Funktioniert nur der optimistische Fall, plane so, als wärst du default dead.

Wenn du default dead bist

Viele VC-finanzierte Startups sind eine Zeit lang bewusst default dead, weil sie vor dem Umsatz investieren. Gefährlich wird es, wenn das niemand offen ausspricht. Es gibt drei Auswege, meist kombiniert:

  1. Geld aufnehmen. Das ist für viele Startups der Plan, liegt aber nicht in deiner Hand. Eine Runde kann Monate dauern, und Investoren sind vorsichtiger bei Unternehmen, die das Geld zum Überleben brauchen. Fang lange vor dem Datum an, an dem das Geld ausgeht.
  2. Kosten senken. Gekürzte oder verschobene Kosten ziehen den Break-even nach vorn und strecken gleichzeitig die Runway.
  3. Umsatz schneller steigern. Preise, Vertriebsfokus und schnellere Zahlungseingänge können das effektive Wachstum erhöhen, meist mit Verzögerung.

Die konkreten Hebel, vom Software-Check bis zur Bridge-Runde, findest du im Artikel Runway verlängern. Ziel ist, den Break-even-Monat mit Puffer vor den Monat zu schieben, in dem das Geld ausgeht.

Mach es zum Teil deines Monatsreviews

Sind deine Zahlen einmal sauber, dauert der Test ein paar Minuten. Ergänze dein monatliches Kennzahlen-Review um vier Zeilen:

  • Default alive oder default dead (beim tatsächlichen Wachstum der letzten Monate)
  • Voraussichtlicher Break-even-Monat
  • Voraussichtlicher Monat, in dem das Geld ausgeht
  • Mindestens nötiges monatliches Umsatzwachstum für default alive

Die letzte Zeile solltest du über die Zeit beobachten. Steigt die nötige Rate, während dein tatsächliches Wachstum stagniert, steuerst du auf eine erzwungene Entscheidung zu. Welche Zahlen du außerdem jeden Monat verfolgen solltest, zeigt der Überblick über die Startup-Kennzahlen.

Typische Fehler

Zugesagtes Geld als Kontostand zählen. Eine mündliche Zusage eines Investors zahlt keine Gehälter. Nimm nur Geld, das auf dem Konto ist.

Das Wachstum des besten Monats nehmen. Ein einzelner starker Monat bläht die Prognose auf. Bilde einen Durchschnitt über mehrere Monate.

Konstante Kosten unterstellen. Wenn du einstellen willst, steigen die Kosten. Mit flachen Kosten sieht fast jedes Unternehmen default alive aus.

Nur einmal prüfen. Das Ergebnis ändert sich mit jeder Einstellung, jeder Preisänderung und jedem verlorenen Kunden. Rechne monatlich neu.

Die Dauer einer Finanzierungsrunde ignorieren. Default dead mit 18 Monaten Runway ist ein Plan. Default dead mit vier Monaten Runway ist ein Notfall.

Checkliste

  • Kontostand, Umsatz und Kosten aus Bankdaten, gemittelt über drei Monate
  • Umsatzwachstum auf Basis der tatsächlichen Ergebnisse, nicht des Ziels
  • Kostenwachstum enthält geplante Einstellungen und bekannte Kostenänderungen
  • Break-even-Monat und Monat ohne Geld beide ermittelt
  • Vorsichtiges Szenario mit geringerem Wachstum gerechnet
  • Mindestwachstum für default alive berechnet und notiert
  • Ergebnis jeden Monat und vor jeder größeren Ausgabenentscheidung geprüft

Zusammenfassung

Default alive heißt: Dein aktuelles Wachstum bringt dich in die Gewinnzone, bevor das Geld ausgeht; default dead heißt, es reicht nicht. Du prüfst es, indem du Umsatz, Kosten und Kontostand mit realistischen Annahmen Monat für Monat fortschreibst und den Break-even-Monat mit dem Monat vergleichst, in dem das Geld ausgeht. Das nützlichste Ergebnis ist die Mindestwachstumsrate. Prüf sie monatlich, rechne ein vorsichtiges Szenario und entscheide früh, ob du dich mit Finanzierung, Kostensenkung oder mehr Wachstum herausarbeitest, falls du default dead bist.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine Finanzberatung. Prognosen beruhen auf Annahmen, die nicht eintreten müssen; zieh für Entscheidungen mit großer Tragweite deine Steuerberatung oder eine Finanzexpertin bzw. einen Finanzexperten hinzu.

Häufige Fragen

Was bedeutet Default Alive?

Ein Startup ist default alive, wenn es mit dem aktuellen Umsatzwachstum und den geplanten Kosten profitabel wird, bevor das Geld ausgeht – ohne weitere Finanzierungsrunde. Ist das Geld vorher aufgebraucht, ist es default dead.

Wie berechne ich, ob mein Startup default alive ist?

Nimm deinen aktuellen Kontostand, den monatlichen Umsatz, die monatlichen Kosten und realistische monatliche Wachstumsraten für beides. Rechne Monat für Monat weiter und prüf, ob der Umsatz die Kosten überholt, bevor der Kontostand null erreicht. Ein Runway-Rechner mit Wachstumsfeldern erledigt das in Sekunden.

Ist ein Startup, das default dead ist, verloren?

Nein. Es bedeutet nur, dass der aktuelle Plan allein nicht aufgeht: Du musst Geld aufnehmen, Kosten senken oder schneller wachsen. Wer das früh weiß, hat Zeit, etwas zu ändern, solange es noch Optionen gibt.

Welches Umsatzwachstum brauche ich, um default alive zu sein?

Das hängt von Kontostand, Burn und Kostenwachstum ab. Finde deine Mindestrate, indem du mehrere Wachstumsraten durchrechnest, bis der Umsatz die Kosten gerade noch vor dem Ende des Geldes überholt, und vergleiche sie mit dem Wachstum, das du zuletzt tatsächlich erreicht hast.