Startup-Finanzierung: von Pre-Seed bis Series A
So funktioniert Startup-Finanzierung: Phasen, Investorentypen, Instrumente, der Prozess Schritt für Schritt und die Zahlen für Investorengespräche.
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Startup-Finanzierung ist der Prozess, einen Teil deines Unternehmens – oder das Recht auf einen künftigen Teil – an Investoren zu verkaufen, im Tausch gegen Geld, mit dem du schneller wachsen kannst, als es der Umsatz allein erlauben würde. Ein gutes Fundraising beginnt mit einem klaren Plan, was das Geld kaufen soll, dem passenden Instrument für deine Phase, einer kurzen Liste geeigneter Investoren und einem disziplinierten Prozess, der Momentum erzeugt. Alles andere, vom Pitch Deck bis zum Term Sheet, dient diesen vier Dingen.
Dieser Ratgeber geht den ganzen Weg von Pre-Seed bis Series A durch. Er verlinkt auf ausführlichere Artikel zu Bewertung, Verwässerung, Instrumenten und Pitch Decks, damit du dort tiefer einsteigen kannst, wo du es brauchst.
Musst du überhaupt Kapital aufnehmen?
Externes Kapital ist ein Werkzeug, kein Meilenstein. Bevor du ein Pitch Deck baust, beantworte ehrlich drei Fragen:
- Kann das Geschäft Ergebnisse in Venture-Größenordnung erreichen? Venture-Investoren brauchen wenige, sehr große Gewinner, damit ihre Fonds aufgehen. Eine profitable Agentur oder ein Nischen-Softwaretool kann ein hervorragendes Geschäft sein, das schlicht nicht in dieses Modell passt.
- Was ändert das Geld? „Mehr Runway“ ist keine Antwort. „Zwei Entwickler einstellen, um die Enterprise-Funktionen zu liefern, nach denen drei Pilotkunden gefragt haben“ schon.
- Welche Alternativen gibt es? Umsatz, Vorauszahlungen von Kunden, Fördermittel, umsatzbasierte Finanzierung und Kredite kosten alle weniger Anteile als Eigenkapital. Manche passen besser zu frühen oder kapitalarmen Unternehmen.
Entscheidest du dich für eine Runde, wisse, was du abgibst. Jede Eigenkapitalrunde verwässert die Gründer. Nutze den Verwässerungsrechner, um zu sehen, was zwei oder drei Runden mit deinem Anteil machen, bevor du dich auf einen Weg festlegst.
Die Finanzierungsphasen
Phasennamen sind Konventionen, keine Regeln. Die Tabelle beschreibt, was jede Phase üblicherweise finanzieren soll und was Investoren meist sehen wollen. Die Erwartungen schwanken je nach Markt, Branche und allgemeinem Finanzierungsklima.
| Phase | Typischer Zweck | Worauf Investoren achten | Übliche Instrumente |
|---|---|---|---|
| Friends, Family, Founders | Von der Idee zum ersten Prototyp | Vertrauen in den Gründer | Ersparnisse, kleine Darlehen, SAFEs bzw. Wandeldarlehen |
| Pre-Seed | MVP bauen, erste Nutzer finden | Starkes Team, scharfes Problemverständnis, erste Signale | SAFEs, Wandeldarlehen, kleine Preisrunden |
| Seed | Wiederholbare Traktion erreichen | Wachsende Nutzung oder Umsatz, frühe Kundenbindung, glaubwürdiger Markt | Bepreiste Eigenkapitalrunde oder größere SAFEs |
| Series A | Ein funktionierendes Modell skalieren | Belege für Product-Market-Fit und einen wiederholbaren Akquisekanal | Bepreiste Vorzugsanteile |
| Series B und später | Märkte, Teams, Produkte ausbauen | Effizientes Wachstum, starke Unit Economics | Bepreiste Vorzugsanteile, teils Fremdkapital |
Der rote Faden: Jede Runde sollte dir die Belege verschaffen, die du für die nächste brauchst – oder dafür, kein externes Geld mehr zu benötigen.
Wer in welcher Phase investiert
Verschiedene Investoren schreiben unterschiedlich große Schecks, arbeiten unterschiedlich schnell und erwarten Unterschiedliches.
Business Angels
Privatpersonen, die ihr eigenes Geld investieren. Angels entscheiden oft schnell, bringen relevante Erfahrung und Kontakte mit und sind in der Pre-Seed-Phase verbreitet. Rechne mit kleineren Tickets und einer großen Bandbreite an Engagement, von still bis sehr aktiv.
Pre-Seed- und Seed-Fonds
Professionelle Fonds, die sich auf frühe Runden spezialisiert haben. Sie investieren meist in viele Unternehmen, führen eventuell eine Runde an und setzen die Bedingungen, und sie haben in der Regel einen festen Prozess mit Partner-Meetings.
Venture-Capital-Gesellschaften
Größere Fonds mit Fokus auf Seed, Series A und später. Sie investieren aus einem Fonds mit fester Laufzeit, brauchen also Exits innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Das erklärt viel von ihrem Verhalten, auch ihren Fokus auf sehr große Märkte.
Accelerator
Programme, die einen festen Betrag für einen festen Anteil oder ein festes Instrument investieren und dazu Struktur, Mentoring und einen Demo Day bieten. Lies die Bedingungen genau und vergleiche die Kosten in Anteilen mit dem, was das Programm dir wirklich bringt.
Strategische und Corporate-Investoren
Unternehmen, die in Startups nahe ihrem Geschäft investieren. Sie können Vertrieb mitbringen, aber auch Konflikte mit künftigen Käufern oder Wettbewerbern schaffen. Achte auf Vorkaufsrechte oder Exklusivitätsklauseln.
Nicht verwässernde Quellen
Öffentliche Fördermittel, Innovationsprogramme und Wettbewerbe gibt es in vielen Ländern. Die Antragstellung kostet Zeit, aber keine Anteile. Regeln und Verfügbarkeit unterscheiden sich nach Land und Region.
Das Instrument wählen
Frühe Runden nutzen meist eine von zwei Strukturen.
Bepreiste Eigenkapitalrunde. Ihr einigt euch auf eine Pre-Money-Bewertung, gebt neue Anteile zu einem Preis pro Anteil aus, und die Investoren werden sofort Gesellschafter. Sauber und transparent, aber mehr rechtlicher Aufwand. Die Rechnung erklärt der Artikel Pre-Money- und Post-Money-Bewertung, und mit dem Pre-Money- & Post-Money-Rechner kannst du Zahlen testen.
Wandelbare Instrumente. Der Investor gibt dir jetzt Geld und erhält später Anteile, meist bei der nächsten Preisrunde, oft mit Cap und/oder Discount. SAFEs und Wandeldarlehen sind die beiden verbreiteten Formen. Sie sind schneller und günstiger aufzusetzen, verbergen aber die Verwässerung bis zur Wandlung. Den Vergleich findest du in Wandeldarlehen vs. SAFE.
Welches Instrument Standard ist, hängt stark von deinem Land ab. In manchen Märkten sind wandelbare Instrumente in der Pre-Seed-Phase die Norm, in anderen sind notariell beurkundete Preisrunden selbst bei kleinen Beträgen üblich. Eine Startup-Kanzlei vor Ort weiß, was Investoren in deinem Markt erwarten.
Wie viel du einsammeln solltest
Sammle genug ein, um die Meilensteine zu erreichen, die die nächste Runde (oder Profitabilität) wahrscheinlich machen, plus einen Puffer für Verzögerungen. Eine einfache Methode:
- Liste die Meilensteine auf, die das Unternehmen deutlich wertvoller machen würden: ein Produkt-Release, ein Umsatzniveau, ein Retention-Ergebnis, eine Schlüsseleinstellung.
- Erstelle einen monatlichen Kostenplan bis dorthin. Rechne Gehälter, Tools, Marketing und Einmalkosten ein.
- Füge einen Puffer hinzu. Pläne verschieben sich; viele Gründer schlagen einige Monate auf den Plan auf.
- Gleiche das Ergebnis mit deiner erwarteten Burn Rate und Runway ab.
Beispiel: Ein Team plant, in den nächsten 18 Monaten 45.000 € pro Monat auszugeben, und erwartet, dass der Umsatz über diesen Zeitraum im Schnitt rund 10.000 € pro Monat deckt. Der Net Burn liegt bei etwa 35.000 €, für 18 Monate braucht es also rund 630.000 €. Mit sechs Monaten Puffer beim selben Burn (210.000 €) liegt das Ziel bei rund 840.000 €. Wachstum bei Umsatz und Kosten kannst du Monat für Monat im Runway-Rechner modellieren.
Wie viele Anteile dich dieser Betrag kostet, hängt von der Bewertung ab. Die Abwägungen behandelt ausführlich der Artikel Wie viele Anteile in der Seed-Runde abgeben?.
Der Fundraising-Prozess Schritt für Schritt
Ein fokussierter Prozess erzeugt Momentum. Investoren reden miteinander, und eine Runde, die in Bewegung zu sein scheint, zieht Interesse an; eine Runde, die sich hinzieht, wirkt riskant.
Schritt 1: Unterlagen vorbereiten
- Ein Pitch Deck, das die Geschichte in etwa 10 bis 15 Folien erzählt (siehe Pitch Deck Aufbau)
- Eine kurze schriftliche Zusammenfassung, die du in eine E-Mail kopieren kannst
- Ein Finanzmodell mit Monatsprognosen für 18 bis 24 Monate
- Eine Cap Table, die zeigt, wem heute was gehört, voll verwässert
- Ein einfacher Datenraum: Gründungsunterlagen, wichtige Verträge, IP-Übertragungen, Vereinbarungen mit dem Team
Schritt 2: Eine Zielliste erstellen
Recherchiere Investoren, die tatsächlich in deiner Phase, deiner Branche und deiner Region investieren. Notiere die typische Ticketgröße und ob sie Runden anführen. Eine Liste mit ein paar Dutzend gut passenden Namen schlägt Hunderte zufällige.
Schritt 3: Warme Intros bekommen
Vorstellungen durch Gründer, in die sie investiert haben, andere Investoren oder vertraute Operator bekommen meist mehr Aufmerksamkeit als kalte E-Mails. Kaltakquise kann trotzdem funktionieren, wenn sie kurz und konkret ist und zeigt, warum dieser Investor passt.
Schritt 4: Termine in einem engen Zeitfenster führen
Versuch, die ersten Termine innerhalb weniger Wochen zu legen. So kannst du Interesse und Konditionen gleichzeitig vergleichen, statt mit einem Investor zu verhandeln, während andere noch nicht einmal angefangen haben.
Schritt 5: Die Due Diligence meistern
Interessierte Investoren prüfen deine Zahlen, deine Kunden, deine rechtliche Struktur und dein Team. Antworte schnell und konsistent. Lücken bei IP-Übertragungen oder unklare Gründervereinbarungen sind häufige Verzögerungen, die du vor dem Start beheben kannst.
Schritt 6: Das Term Sheet verhandeln
Das Term Sheet legt die wirtschaftlichen Bedingungen fest (Bewertung, Betrag, Optionspool) und die Kontrollrechte (Sitze im Beirat, Zustimmungsvorbehalte der Investoren, Liquidationspräferenz). Die Bewertung bekommt die Aufmerksamkeit, aber Kontrollrechte und Präferenzen können in der Praxis wichtiger sein. Hol dir vor der Unterschrift rechtlichen Rat.
Schritt 7: Abschließen und kommunizieren
Unterschreib die finalen Dokumente, nimm das Geld entgegen, aktualisiere die Cap Table und informiere bestehende Investoren, Team und wichtige Kunden. Schick danach regelmäßige Investoren-Updates; sie machen die nächste Runde leichter.
Checkliste: Bist du bereit fürs Fundraising?
- Du kannst Problem, Lösung und Why now in zwei Sätzen erklären
- Du kennst deinen monatlichen Net Burn und weißt, wie viele Monate Runway du hast
- Du hast einen Meilensteinplan, der den Betrag an konkrete Ergebnisse knüpft
- Deine Cap Table ist aktuell und du kennst deine voll verwässerte Anteilszahl
- Für die Gründeranteile gibt es ein Vesting (siehe Vesting für Gründer)
- Von Gründern und Dienstleistern geschaffenes geistiges Eigentum ist auf das Unternehmen übertragen
- Du hast eine Zielliste von Investoren, passend nach Phase, Branche und Ticketgröße
- Du hast Zeit für den Prozess eingeplant, ohne dass das Geschäft stillsteht
Typische Fehler beim Fundraising
Zu spät anfangen. Hast du noch drei Monate Liquidität, sieht jeder Investor, dass du das Geld brauchst. Du verlierst Verhandlungsmacht und musst womöglich schlechte Bedingungen akzeptieren.
Ohne Meilensteinplan Kapital suchen. „Wir brauchen 1 Mio. €“ provoziert die Frage „Wofür?“. Knüpf den Betrag an Ergebnisse.
Nur auf die Bewertung optimieren. Eine hohe Bewertung mit hohen Liquidationspräferenzen oder weitreichenden Vetorechten kann schlechter sein als eine moderate mit sauberen Bedingungen. Außerdem hebt sie die Latte für die nächste Runde.
Wandelbare Instrumente stapeln, ohne sie zu modellieren. Mehrere SAFEs oder Wandeldarlehen mit unterschiedlichen Caps können in deutlich mehr Verwässerung wandeln, als Gründer erwartet haben. Modelliere die Wandlung, bevor du das nächste unterschreibst.
Den Optionspool ignorieren. Investoren verlangen oft, dass vor ihrem Investment ein Pool geschaffen wird – dann verwässert er nur die bisherigen Gesellschafter. Lies den Artikel zum Optionspool und zur Mitarbeiterbeteiligung, bevor du verhandelst.
Das Geschäft schleifen lassen. Ein Fundraising kann einen Gründer komplett vereinnahmen. Stagnieren die Kennzahlen während des Prozesses, wird das Teil der Geschichte. Legt vorher fest, wer das Unternehmen am Laufen hält.
Nach der Runde
Der Abschluss der Runde ist der Anfang, nicht das Ende. Aktualisiere deine Runway-Prognose mit dem neuen Geld, richte das Budget an den Meilensteinen aus, die du gepitcht hast, und verfolge die Startup-Kennzahlen, nach denen deine nächsten Investoren fragen werden. Schick deinen Investoren ein kurzes monatliches oder vierteljährliches Update mit Zahlen, Erfolgen, Problemen und konkreten Bitten. Gründer, die konsequent kommunizieren, empfinden die nächste Runde meist als weniger mühsam, weil ihre Investoren die Geschichte bereits kennen.
Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Fundraising-Regeln, Kapitalmarktrecht und steuerliche Behandlung unterscheiden sich von Land zu Land; arbeite mit einer qualifizierten Kanzlei und Steuerberatung in deiner Rechtsordnung, bevor du Anteile ausgibst oder Beteiligungsverträge unterschreibst.
Häufige Fragen
Wann sollte ein Startup mit dem Fundraising beginnen?
Fang an, wenn du klar erzählen kannst, was das Geld bewirken soll, und noch genug Runway hast, um schlechte Konditionen ablehnen zu können. Viele Gründer starten einen Prozess mit mindestens sechs bis neun Monaten Liquidität, weil Runden oft länger dauern als geplant.
Wie lange dauert eine Finanzierungsrunde?
Das schwankt stark. Eine kleine Runde mit Business Angels, die du schon kennst, kann in wenigen Wochen abgeschlossen sein. Eine bepreiste Seed- oder Series-A-Runde mit rechtlicher Due Diligence dauert vom ersten Termin bis zum Geld auf dem Konto oft mehrere Monate.
Brauche ich einen Anwalt, um Kapital aufzunehmen?
Für alles jenseits der einfachsten Instrumente: ja. Kapitalmarkt-, Gesellschafts- und Steuerrecht unterscheiden sich von Land zu Land, und eine Startup-Kanzlei, die deine Rechtsordnung kennt, hilft dir, Vertrags- und Formfehler zu vermeiden, die später teuer werden.
Was ist der Unterschied zwischen Pre-Seed und Seed?
Eine rechtliche Definition gibt es nicht. Pre-Seed finanziert meist die früheste Arbeit, etwa ein erstes Produkt und erste Belege von Kunden, während Seed typischerweise dazu dient, wiederholbare Traktion zu finden. Die Begriffe verschieben sich mit der Zeit und zwischen Märkten.
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