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Mitgründer finden: Wo suchen und wie den Fit testen

Kurz gesagt

Mitgründer finden: wo du suchst, wie du Kandidaten ansprichst, wie du den Fit mit einem Testprojekt prüfst und was ihr vor der Gründung klären solltet.

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Am zuverlässigsten findest du einen Mitgründer unter Menschen, mit denen du schon zusammengearbeitet hast, und prüfst den Fit dann an einem echten Projekt, bevor ihr euch festlegt. Ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Kommilitonen und Kontakte aus deiner Branche kommen zuerst, danach Startup-Communities, Acceleratoren, Gründungszentren an Hochschulen und Matching-Plattformen. Egal, wen du kennenlernst: Macht gemeinsam ein zeitlich begrenztes Testprojekt und sprecht offen über Rollen, Einsatz, Geld und Anteile, bevor irgendetwas unterschrieben wird.

Die Wahl eines Mitgründers gehört zu den Entscheidungen, die sich in einem jungen Unternehmen am schwersten rückgängig machen lassen. Dieser Ratgeber zeigt, worauf du achten solltest, wo du suchst, wie du den Fit testest und was ihr schriftlich festhalten solltet.

Brauchst du überhaupt einen Mitgründer?

Viele Unternehmen werden von einer einzelnen Person gegründet. Ein Mitgründer ist sinnvoll, wenn:

  • die Arbeit zu breit ist. Produkt, Vertrieb, Finanzen, Recruiting und Betrieb landen am Anfang alle bei den Gründern.
  • dir eine Fähigkeit fehlt, die für das Geschäft zentral ist, etwa Entwicklung bei einem Softwareprodukt oder Vertrieb bei einem Produkt für Großkunden.
  • du Entscheidungen und Druck teilen willst. Allein zu gründen geht, ist aber einsam, und ein guter Partner sieht deine blinden Flecken.

Sei dir klar, was davon du brauchst. „Jemand, der das Produkt bauen kann“ führt zu einer anderen Suche als „jemand, der weiß, wie Kliniken Software einkaufen“. Viele Investoren und Acceleratoren schauen außerdem genau auf das Gründerteam, die Wahl zählt also auch fürs Fundraising.

Ist der Bedarf eng und vorübergehend, ist eine Freelancerin oder eine frühe Einstellung oft die bessere Lösung. Mitgründer halten über die gesamte Lebensdauer des Unternehmens einen spürbaren Anteil; eine Lücke, die du nur sechs Monate lang hast, rechtfertigt das nicht.

Worauf du achten solltest

Manches sollte zwischen Mitgründern übereinstimmen, anderes sollte sich unterscheiden.

Sollte übereinstimmen Sollte sich ergänzen
Ehrgeiz und Zeithorizont Kernfähigkeiten (z. B. technisch vs. kaufmännisch)
Einsatz und Risikobereitschaft Netzwerke und Branchenwissen
Werte und Ethik Denkstil (Detail vs. großes Bild)
Erwartungen an das Gehalt in den ersten Jahren Natürliche Rollen (nach innen vs. nach außen)
Die Art, wie Entscheidungen fallen

Zwei Bereiche sorgen für die meisten Trennungen: unterschiedlicher Einsatz (eine Person voll dabei, die andere „steigt ein, wenn wir Funding haben“) und unterschiedliche Ziele (eine will ein großes VC-finanziertes Unternehmen, die andere ein profitables kleines). Prüft beides früh.

Wo du einen Mitgründer findest

Kanal Stärken Achte auf
Ehemalige Kolleginnen, Kollegen und Kommilitonen Du weißt, wie sie unter Druck arbeiten Ihr meidet vielleicht schwierige Gespräche, um die Freundschaft zu schonen
Dein Branchennetzwerk Fachwissen, Glaubwürdigkeit bei Kunden Branchenprofis scheuen oft das Startup-Risiko
Kunden oder Partner aus deinen Validierungsgesprächen Sie kennen das Problem schon Prüf, ob sie wirklich bauen wollen und nicht nur beraten
Startup-Communities, Meetups, Hackathons Viele motivierte Leute an einem Ort Kurze Events zeigen eher Begeisterung als Verlässlichkeit
Acceleratoren, Inkubatoren, Gründungszentren an Hochschulen Strukturierter Rahmen, Leute in derselben Phase Timing: Die richtige Person ist vielleicht schon gebunden
Matching-Plattformen für Co-Founder Großer Pool, klare Absicht zu gründen Keine gemeinsame Vorgeschichte, das Testen dauert länger
Open-Source-Projekte und Online-Communities Du siehst echte Arbeit, bevor ihr euch trefft Online zusammenarbeiten ist nicht dasselbe wie ein Unternehmen führen

Matching-Plattformen sind ein legitimer Kanal. Y Combinator hat zum Beispiel 2021 im Rahmen seiner kostenlosen Startup School eine Plattform für die Co-Founder-Suche gestartet. Behandle einen Match wie ein erstes Gespräch, nicht wie eine Entscheidung.

Ein praktischer Tipp: Je mehr Belege du hast, dass die Idee funktioniert, desto leichter gewinnst du gute Leute. Zwanzig Kundengespräche und ein paar Vorbestellungen überzeugen mehr als eine Folie. Wie du solche Belege sammelst, zeigt der Ratgeber Startup-Idee validieren.

Wie du mögliche Mitgründer ansprichst

Starke Kandidaten sind meist beschäftigt und haben Alternativen. Ein guter erster Kontakt:

  1. Fang mit dem Problem an, nicht mit der Lösung: wer es hat, wie schmerzhaft es ist, was du gelernt hast.
  2. Zeig, was du schon getan hast: Interviews, Prototypen, erste Kunden, Zahlen.
  3. Sag konkret, was du brauchst und warum gerade diese Person passt.
  4. Schlag einen kleinen nächsten Schritt vor, zum Beispiel eine gemeinsame Arbeitssession zu einer konkreten Frage, statt gleich eine Zusage zu verlangen.

Bitte breit um Empfehlungen. Viele gute Gründerteams entstehen über einen gemeinsamen Kontakt, der beide Seiten kennt.

Den Fit mit einem Testprojekt prüfen

Gespräche zeigen Absichten, Arbeit zeigt Verhalten. Arbeitet vor der Entscheidung einige Wochen an etwas Echtem zusammen.

Ein gutes Testprojekt:

  • hat ein klares Ziel, zum Beispiel „15 Kundengespräche führen und das erste Segment festlegen“ oder „einen klickbaren Prototyp bauen und mit fünf Nutzern testen“;
  • hat einen festen Zeitrahmen, typischerweise vier bis acht Wochen;
  • verlangt Beiträge und gemeinsame Entscheidungen von beiden;
  • enthält mindestens eine Meinungsverschiedenheit, die ihr lösen müsst.

Achte auf: Verlässlichkeit (tut die Person, was sie zugesagt hat?), Kommunikation unter Druck, Umgang mit Feedback, wie ihr bei Uneinigkeit entscheidet und ob die Energie hoch bleibt, wenn der Reiz des Neuen nachlässt.

Trefft euch persönlich, wenn es geht. Frag außerdem frühere Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzte nach ihrer Einschätzung, so wie die andere Seite es über dich tun darf.

Beispiel: in acht Wochen zur Entscheidung

Eine fiktive Gründerin aus der Logistik will Software für kleine Speditionen bauen und braucht einen technischen Mitgründer. Sie lernt zwei Kandidaten kennen, einen über eine Matching-Plattform, einen über eine ehemalige Kollegin.

Woche Aktivität
1–2 Je zwei lange Gespräche über Ziele, Einsatz, Geld und Rollen
3–8 Testprojekt mit dem stärkeren Kandidaten: Prototyp eines Angebotstools bauen und mit sechs Speditionen testen
8 Gemeinsame Auswertung anhand einer Bewertungsliste, die in Woche 3 vereinbart wurde
9 Entscheidung; falls ja, Rollen, Aufteilung und Vesting mit rechtlicher Unterstützung festlegen

Die vorab vereinbarte Bewertungsliste, von beiden mit 1 bis 5 bewertet:

Kriterium Frage
Umsetzung Haben wir beide geliefert, was wir zugesagt hatten, und zwar pünktlich?
Entscheidungen Konnten wir Meinungsverschiedenheiten lösen, ohne ihnen auszuweichen?
Einsatz Sind wir uns einig, wann beide Vollzeit einsteigen und wovon wir leben?
Ziele Wollen wir in fünf Jahren dieselbe Art von Unternehmen?
Energie Wollen wir nach acht Wochen weiter zusammenarbeiten?

Die Kriterien vor dem Testprojekt aufzuschreiben, macht das Abschlussgespräch leichter. Bewertet eine Seite ein Kriterium niedrig, besprecht das vor der Entscheidung, nicht nach der Unterschrift.

Die Gespräche vor der Entscheidung

Klärt diese Fragen ausdrücklich, am besten schriftlich:

  1. Rollen und Titel: Wer verantwortet was, und wer führt die Geschäfte?
  2. Einsatz: Wann steigt wer in Vollzeit ein? Was passiert, wenn jemand das nicht kann?
  3. Geld: Wie lange kann jede und jeder von euch ohne Gehalt leben? Was zahlt ihr euch nach einer Finanzierung?
  4. Anteile: Wie teilt ihr auf, und warum? Der Ratgeber Anteile unter Gründern aufteilen bietet dafür ein Vorgehen.
  5. Vesting: Über wie viele Jahre, mit welchem Cliff? Siehe Vesting für Gründer.
  6. Ausscheiden: Was passiert mit Anteilen und Aufgaben, wenn jemand geht?
  7. Entscheidungen und Patt: Wie entscheidet ihr, wenn ihr euch nicht einig seid?
  8. Rechte an Arbeitsergebnissen: Alles, was für das Unternehmen entsteht, gehört dem Unternehmen.
  9. Andere Verpflichtungen: Job, Nebenprojekte, Familienpläne, Wohnort.
  10. Die lange Sicht: Wie sähe für jede und jeden von euch ein gutes Ergebnis aus?

Wenn sich ein Gespräch jetzt zu unangenehm anfühlt, wird es später viel schwerer, wenn Geld und Arbeit auf dem Spiel stehen.

Schriftlich festhalten

Steht die Entscheidung, macht sie verbindlich: eine Gründer- oder Gesellschaftervereinbarung, Vesting für alle Gründer und die Übertragung der Rechte an Arbeitsergebnissen auf das Unternehmen. Vesting mit Cliff ist besonders wichtig, wenn ihr euch erst kurz kennt, denn es schützt alle, falls die Partnerschaft nicht hält. Gesellschafts- und Steuerrecht unterscheiden sich je nach Land; bei einer GmbH etwa braucht es für Gründung und Anteilsübertragungen den Notar. Zieh deshalb eine Kanzlei hinzu, bevor Anteile ausgegeben werden. Die weiteren Gründungsschritte findest du im Ratgeber Startup gründen.

Warnsignale

  • Zögern, sich auf einen Termin für den Vollzeiteinstieg festzulegen
  • Forderung nach einem großen Anteil, bevor ihr überhaupt zusammengearbeitet habt
  • Ablehnung von Vesting
  • Ausweichen bei Meinungsverschiedenheiten oder schlechter Umgang mit Feedback
  • Sehr unterschiedliche Antworten auf „Wie sähe Erfolg aus?“
  • Widersprüchliche Geschichten über frühere Projekte oder Partner

Ein einzelnes Warnsignal ist nicht unbedingt ein Ausschlussgrund, aber ein Grund, mehr zu reden und länger zu testen.

Typische Fehler

Einen Freund wählen, weil es bequem ist. Freundschaft ist kein Beleg für gute Zusammenarbeit. Teste sie wie jeden anderen Match.

Die Anteile überstürzt aufteilen. 50/50 in der ersten Woche zu vereinbaren, bevor Rollen und Einsatz klar sind, führt später oft zu Groll.

Einen Teilzeit-Mitgründer auf unbestimmte Zeit akzeptieren. Teilzeit ist für eine begrenzte Phase in Ordnung. Vereinbart ein Datum oder einen Meilenstein für den Vollzeiteinstieg.

Einen Dienstleister wie einen Mitgründer behandeln. Wer für den Bau des Produkts bezahlt wird und ohne Zahlungen gehen würde, ist kein Mitgründer, egal welcher Titel draufsteht.

Zu viele Gründer. Jede weitere Person verwässert alle und bringt eine Stimme mehr in jede Entscheidung. Zwei oder drei reichen meist.

Checkliste

  • Klar, welche Fähigkeiten und Eigenschaften du brauchst
  • Zuerst unter Menschen gesucht, mit denen du schon gearbeitet hast
  • Belege parat (Interviews, Prototyp, Kunden)
  • Testprojekt mit Ziel, Zeitrahmen und vereinbarter Bewertungsliste
  • Referenzen in beide Richtungen eingeholt
  • Rollen, Einsatz, Geld, Anteile, Vesting, Ausscheiden und Rechte besprochen
  • Alles schriftlich festgehalten, mit rechtlicher Unterstützung

Zusammenfassung

Such einen Mitgründer zuerst unter Menschen, mit denen du schon gearbeitet hast, dann in Communities, Programmen und auf Matching-Plattformen. Sprich Kandidaten mit Belegen und einem kleinen nächsten Schritt an, prüf den Fit mit einem zeitlich begrenzten Testprojekt und führt die schwierigen Gespräche über Rollen, Einsatz, Geld und Anteile vor der Unterschrift. Einen guten Mitgründer findest du durch gemeinsame Arbeit, nicht durch ein einzelnes beeindruckendes Gespräch.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Gründervereinbarungen, Anteilsausgabe und Vesting funktionieren in jedem Land anders; zieh eine Kanzlei hinzu, bevor ihr eure Partnerschaft formalisiert.

Häufige Fragen

Wo finde ich am ehesten einen Mitgründer?

Meist unter Menschen, mit denen du schon zusammengearbeitet hast: ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Kommilitonen und Kontakte aus deiner Branche. Darüber hinaus funktionieren Startup-Communities, Acceleratoren, Gründungszentren an Hochschulen und Matching-Plattformen, nur brauchst du bei Unbekannten mehr Zeit, um den Fit zu prüfen.

Wie lange sollte ich jemanden kennen, bevor wir zusammen gründen?

Eine feste Regel gibt es nicht, aber ihr solltet vor der Entscheidung an etwas Echtem zusammengearbeitet haben. Ein Testprojekt über einige Wochen mit klarem Ziel zeigt mehr als Monate lockerer Treffen.

Sollten Mitgründer die Anteile gleich aufteilen?

Nicht unbedingt. Gleiche Anteile sind verbreitet und einfach, aber Beitrag, Einsatz und Zeitpunkt des Einstiegs können Unterschiede rechtfertigen. Egal wie ihr teilt: Kombiniert die Aufteilung mit Vesting, damit Anteile über die Zeit verdient werden.

Was tun, wenn ich keinen technischen Mitgründer finde?

Du kannst die Nachfrage ohne Code validieren, eine erste einfache Version mit No-Code-Tools oder einem bezahlten Freelancer bauen und weitersuchen. Gib aber niemandem Gründeranteile, der sich wie ein Dienstleister verhält, denn das lässt sich kaum rückgängig machen.